Hinweis: Die fino data services GmbH ist ein privates Unternehmen. Der hier angebotene Dienst ist kein staatliches Angebot.

eGovernment: Stand der digitalen Verwaltung in Deutschland und
EU-weit

bundesrechnungszentrale_egovernment_deutschland

Im Bereich Digitalisierung liegt Deutschland im EU-Vergleich weit hinten. Erfahren Sie, welche Lücken Deutschland im Bereich digitale Verwaltung hat und welche Vorteile eGovernment für öffentliche Verwaltungsbehörden und Bürger:innen mit sich bringt.

Inhaltsverzeichnis

Mitglieder des Bundestages schultern viel Verantwortung. Stockenden Entwicklungen im Bereich Digitalisierung zum Trotz, werden administrative Prozesse so effizient wie möglich behandelt. Dennoch liegt Deutschland im Vergleich aller EU-Länder weit hinten. So erlangt Deutschland lediglich Platz 21 von insgesamt 28 im Bericht der EU-Kommission zur Eruierung des digitalen Fortschritts. Demzufolge besteht großer Bedarf, aber mindestens ebenso großes Potenzial dafür, digitale Verwaltung zu optimieren.

Grafik_Bundesrechnungszentrale_eGovernemnt PLatz 21

Was ist eGovernment?

Um Verwaltungs- und Regierungsprozesse effizienter zu gestalten, ist die Nutzung von Informationstechnologie unumgänglich. Im Rahmen des eGovernments (kurz für Electronic Government) erfolgen nicht nur Geschäftsabläufe, sondern auch die Kommunikation zwischen Ämtern, Behörden, Bürger:innen und Unternehmen digital und nicht mehr papierbasiert. Prozesse laufen dadurch schnell, direkt und effizient ab, dank moderner Kommunikations- und Informationstechnologien.

Beispiele für eGovernment

Erfolgreich eingeführte Tools des eGovernments sind zum Beispiel die Online-Steuererklärung mithilfe des Programms Elster und die digitale Zulassung eines neu erworbenen Fahrzeugs. So kommunizieren Bürger:innen und Ämter ohne Warteschlange, Termine, Papierberge und andere Barrieren miteinander. Auch Anträge und andere Online-Formulare können mit wenig Aufwand in den eigenen vier Wänden und unterwegs mit Internetzugang vorbereitet und elektronisch an Ämter versendet werden.

Doch mit eGovernment ist in Deutschland mehr möglich: Denn es umfasst nicht nur die Bereiche eDemokratie und eAdministration, also die Gestaltung von Bürger:innenbeteiligung und Verwaltungsprozessen im digitalen Raum. Im Kontext der eDemokratie spielen auch die ePartizipation und das eVoting eine bedeutende Rolle. So können< Bürger:innen ihre Stimme bei Wahlen über Internetplattformen abgeben und müssen nicht zum Wahlbüro gehen.

Vorteile der digitalen Verwaltung

Die Werkzeuge des eGovernements bergen zahlreiche Vorteile für die Verwaltung und die Bürger:innen. Hier einige Gründe, warum auch deutsche Behörden sich möglichst schnell digitalisieren sollten:

Vorteile für öffentliche Administration

Durch die Reduktion papierbasierter Prozesse können in der Verwaltung Kosten gesenkt und Ressourcen geschützt werden. Denn ausgedruckte Anträge und andere Formulare werden durch die digitale Verwaltung in deutlich geringerem Umfang benötigt. Dies geht auch mit großen Ersparnissen bezüglich Verpackungsmaterialien für den postalischen Versand einher. Im Rahmen der Einführung von elektronischen Vorgangsbearbeitungen lassen sich administrative Prozesse optimieren und effizienter gestalten.

Ein Beispiel dafür ist die eAkte, also die elektronische Sammlung und Sicherung von Dokumenten anstelle von ausgedruckten und abgehefteten Papieren. Die verstärkte Einführung von Methoden des eGovernments ist zudem dem Image eines Landes dienlich. Denn damit präsentiert es sich als innovativ und bürgerfreundlich!

Grafik_Bundesrechnungszentrale_Vorteile eGovernement

Vorteile für Bürger:innen

Nicht nur den Behörden bringt die digitale Verwaltung Vorteile, sondern auch den Bürger:innen. So führt die vermehrte Nutzung digitaler Prozesse zu einer grundlegenden Verbesserung der Servicequalität. Bürger:innen können ihre Anliegen nicht nur während der Bürozeiten vorbringen, sondern sich auf permanente Erreichbarkeit verlassen. Auch lange Wartezeiten sind mit eGovernment Geschichte. Antrags- und Informationsverfahren werden beschleunigt und gehen zeitsparend vonstatten. Bürger:innen mit Behinderungen erhalten durch digitale Verwaltung barrierefreien Zugriff zu allen benötigten Dienstleistungen und Behörden. Außerdem werden so, nicht nur in Krisensituationen, kritische und wichtige Auskünfte allen Bürger:innen gleichermaßen schnell zur Verfügung gestellt.

Deutschlands Lücken im digitalen Fortschritt

Nicht zuletzt die Corona-Pandemie hat Deutschland klar vor Augen gehalten, wie es um den digitalen Fortschritt steht. Selten war in einer Situation so klar wie in dieser, dass die aktuelle und zukünftige Handlungsfähigkeit Deutschlands stark von der Modernisierung und dem Ausbau digitaler Verwaltung abhängt.

Online Steuererklärungen werden nur unzureichend genutzt

Obwohl es bereits seit 2020 möglich ist, Steuerendbescheide nicht mehr postalisch, sondern digital zu erhalten, wurde davon zunächst nur wenig Gebrauch gemacht. Hamburg begann mit einer Quote von 4,5 Prozent und galt damit als bundesweiter Vorreiter, knapp gefolgt von Bayern (4,3 Prozent).

Im Vergleich zu dem scheinbar missglückten Versuch, Steuerbescheide digital zu erstellen und zu versenden, nahmen viele Hess:innen die Möglichkeit wahr, die Steuererklärung online mithilfe des Programms Elster auszufüllen. Lag die Quote 2017 noch bei 62 Prozent, reichten im Jahr 2021 bereits 77 Prozent der hessischen Bürger:innen ihre Steuererklärung digital ein.

Es fehlt an Personal zur Umsetzung der Digitalisierungsmaßnahmen

Doch neben Erfolgen und Misserfolgen im Rahmen der Versuche, die Steuerverwaltung zu digitalisieren, zeigen sich besondere personelle Schwierigkeiten. Denn genügend IT-Expert:innen zu rekrutieren, um die anvisierten Digitalisierungsschritte umzusetzen, bleibt eine Herausforderung.

Mehrwertsteuerlücke in Deutschland bisher unkontrolliert

Ein weiteres Problem ist die Mehrwertsteuerlücke. Diese entsteht dann, wenn eine Differenz zwischen erwarteten Mehrwertsteuereinnahmen und der tatsächlich erhobenen Summe besteht. Allein in Deutschland entgingen dem Finanzamt 2019 so etwa 23 Millionen Euro! Aktuell besteht hier ein Mangel an Kontrolle, denn es steht Unternehmen frei, Rechnungen analog oder digital auszustellen. Würden alle Rechnungen digital erstellt und versandt werden, könnten die Behörden die Abführung der Mehrwertsteuer besser kontrollieren.

Grafik_Bundesrechnungszentrale_VAT Lücke Dt.

DESI Index: Deutschland auf den hinteren Plätzen

Studien zeigen, dass Deutschland hinsichtlich digitaler Administration noch einen weiten Weg vor sich hat. Trotz guten Potenzials landet es bei Vergleichen höchstens im Mittelfeld, wenn nicht sogar auf den hinteren Plätzen. Besonderen Aufschluss darüber gibt der DESI Index.

Deutschland im DESI Index nur auf Platz 11

Der Digital Economy and Society Index (DESI) wird seit 2014 jedes Jahr von der EU-Kommission veröffentlicht. Der DESI Index stuft die Länder hinsichtlich ihres Fortschritts im Bereich Digitalisierung anhand folgender Kriterien ein:

  • Digitale öffentliche Dienste
  • Internetnutzung
  • Konnektivität
  • Humankapital
  • Integration digitaler Technik
 

2021 bekleidete Deutschland hier lediglich Rang 11 von insgesamt 27. Mit einem Score von 54,1 liegt Deutschland bei insgesamt 100 erreichbaren Punkten nur leicht über EU-Durchschnitt (50,7). Auch im Bereich Unternehmenskommunikation zeigten sich ausbaufähige Ergebnisse. Nur 29 Prozent der deutschen Unternehmen nutzten zur Kommunikation digitale Möglichkeiten. Die Option Rechnungen elektronisch zu erstellen und zu versenden, nutzten lediglich 18 Prozent (!) der kleinen und mittleren Unternehmen.

eGovernment: Vorreiter der digitalen Verwaltung in der EU

Kontrastierend dazu fallen skandinavische Länder wie Dänemark, Finnland und Schweden, dicht gefolgt von den Niederlanden, positiv auf. Dänemark erzielt 2021 im Rahmen des DESI Index‘ als einziges EU-Land 70 Punkte. 70,1 Prozent der dänischen Haushalte nutzen einen Glasfaseranschluss, 94 Prozent sind an Netze mit hohen Kapazitäten angeschlossen.
Grafik_Bundesrechnungszentrale_Skandinavien

Die EU strebt für 2030 die 5G-Netzversorgung für alle Regionen an, die bevölkert sind. Die Umsetzung begann im Jahr 2020 und zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des DESI Index‘ 2021 hatten Dänemark und die Niederlande bereits einen Anteil von rund 80 Prozent erreicht – und stellen damit die fortschrittlichsten Länder dar.

Deutschland auf dem Weg zur Digitalisierung – mit dem richtigen Partner

Mit der Etablierung des eGovernments gehen viele Herausforderungen einher. Dennoch sollten Rechnungen in der Zukunft nur noch digital ausgestellt werden. Dies würde Kontrollprozesse in der Steuerverwaltung verbessern und somit die Arbeit der zukünftigen ersten deutschen Bundesrechnungszentrale erleichtern. Deren Auftrag wäre es, angeregt durch die Ampel-Koalition, die Mehrwertsteuerlücke in Deutschland zu schießen.

Möchten Sie Teil der Lösung werden?